Walter und Artur Goldschmidt

Walter Goldschmidt.

Walter Goldschmidt.

Der Vater von Walter und Artur Goldschmidt, Leopold Goldschmidt, betreibt in der Marktstraße 21 seit 1886 unter dem Namen seines Schwiegervaters Moritz Blankenberg ein Herrengarderobengeschäft. Der älteste Sohn Hugo (geboren 17. März 1899) zieht 1921 nach Berlin, dort wird er wegen „Rassenschande“ am 4. September 1937 nach Dachau ins Konzentrationslager eingeliefert, er stirbt dort nur kurze Zeit später am 9. Oktober 1937, Todesursache unbekannt.

Die Söhne Walter (geboren 15. April 1901) und Artur (geboren 13. Juni 1902) betreiben das Geschäft ab 1933 in der Marktstraße 11. Im Januar 1938 erscheint im redaktionellen Teil der „Einbecker Morgenpost“ und im „Heimat-Beobachter“ ein Artikel über Walter Goldschmidt. Unter dem Titel „Einbecker Jude vor dem Sondergericht“ wird berichtet, dass sich Goldschmidt in Arnstedt vor einem thüringischen Sondergericht wegen Vergehens gegen das Heimtückegesetz verantworten muss. Er hatte wohl im September 1937 im Kreise von „Rassegenossen“ einen unverschämten Witz erzählt, daraufhin wurde er von einer Frau denunziert. Er stritt alles ab, das Gericht verhängt dennoch eine halbjährige Haftstrafe. Walter Goldschmidt wird sofort in Haft genommen.

Artur Goldschmidt.

Artur Goldschmidt.

Die Brüder Goldschmidt verkaufen ihr Haus in der Marktstraße 11 im August 1938 an Heinrich Hunecke, der sein eigenes Geschäft im Januar 1939 dort eröffnen will. Sie schließen ihr Geschäft im Dezember 1938 und ziehen im Februar 1939 nach Hannover zunächst in die Gretchenstraße, dann in die Eichstraße 51. Im September 1941 werden 1000 Juden in Hannover in so genannte Judenhäuser eingewiesen, Artur und Walter werden in der Ohestraße 8/9 in Haus Nummer 8 untergebracht. Am 15. Dezember 1941 befinden sie sich auf einem Transport ins Ghetto Riga zusammen mit Jakob Rosenberg, Herbert Hirschland, dessen Frau Margot Sollinger und Schwiegermutter Selma Sollinger, alle aus Einbeck stammend.

1000 Juden werden an diesem Tag deportiert. Eine Woche später werden 500 Männer aus diesem Transport weiter ins KZ Salaspils deportiert, darunter Walter und Artur Goldschmidt, Jakob Rosenberg und Herbert Hirschland. Dort wird von ihnen in den nächsten Monaten unter härtesten Bedingungen ein Arbeitslager errichtet. Die meisten Männer überleben diese Strapazen nicht. So sterben die Brüder Goldschmidt laut dem Augenzeugenbericht von Herbert Hirschland, der seine Koje in der Baracke in Salaspils über den beiden Goldschmidt-Brüdern hatte, bereits im Januar 1941 den Hungertod.

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Marktstraße 11.

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