Familie Adler

(c) Stolpersteine Einbeck

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Rudolf und Berta Adler haben vier Kinder: Kurt (geb. 1920), Tamara (geb. 1922), Margot (geb. 1926) und Edith (geb. 1928). Als im Dezember 1918 Meta Adler im Alter von 59 Jahren stirbt, ist ihr Sohn Rudolf noch im Feld, er kommt nach viereinhalb Jahren als Soldat im Ersten Weltkrieg zurück nach Hause und übernimmt im Januar 1919 das Geschäft. Rudolf Adler führt das von seiner Mutter in der Altendorfer Straße 27 betriebene Schlachterei- und Productengeschäft (Därme, Häute, Felle usw.) weiter. Die Familie erlebt zunächst glückliche Zeiten in Einbeck. Doch die Situation für Juden verschärft sich zunehmend nach 1933. Ab August 1938 müssen Rudolf Adler und auch sein Angestellter Ludwig Danzig die Legitimationsscheine abgeben, sie können als Handlungsreisende keine Waren mehr einkaufen und verkaufen, die wirtschaftliche Grundlage ist ihnen entzogen worden. Die Verzweiflung der Familie muss groß gewesen sein, wovon sollte die sechsköpfige Familie nun leben, wie sollte es in der Zukunft weitergehen?

Das Ehepaar entscheidet, die ältesten Kinder in die USA zu schicken, Kurt war 18 Jahre, Tamara gerade mal 16 Jahre alt. Kurt Adler zieht im Februar 1936 nach Hamburg, kehrt im April 1938 kurzzeitig nach Einbeck zurück und emigriert im August 1938 in die USA. Seine Schwester Tamara geht 1937 nach Berlin, kehrt auch noch mal nach Einbeck zurück, um im Oktober 1938 nach New York auszuwandern. Kurt Adler stirbt 2002 in San Diego, Tamara stirbt 2009 in Capistrano Beach, USA.

Die Trauer und Verzweiflung der Familienmitglieder ist heute kaum noch vorstellbar, voller Angst werden sich Kurt und Tamara in die ungewisse Zukunft bei fremden Menschen begeben haben. Zunächst gibt es noch die Hoffnung, dass der Rest der Familie ebenfalls in die USA ausreisen kann. Rudolf Adler verlässt Einbeck mit dem Rest seiner Familie am 22. Februar 1939 in Richtung Amsterdam. Er hat noch für den 14. Juli 1939 für seine Frau und seine zwei Töchter eine Schiffspassage auf der „Bremen“ gebucht, die von Bremen nach New York fahren sollte. Doch diese Buchung wird gestrichen. Warum es nicht zu dieser Überfahrt gekommen ist, ist unbekannt. Die Ausreise in die USA gelingt nicht, und so bleibt nur noch der Weg nach Lettland, in das Heimatland von Berta Adler. Wann die Familie in Libau/Lettland ankommt, ist nicht genau festzustellen, wahrscheinlich noch 1939. Berta Adler kann dort zunächst wieder als Apothekerin arbeiten. Doch die tragische Geschichte der Adlers nimmt weiter ihren Lauf.

1941 marschieren die Deutschen in Lettland ein. Vom 15. bis 17. Dezember 1941 findet in Libau ein Massaker an einem Großteil der jüdischen Bevölkerung statt. Knapp 5000 Juden werden an diesen beiden Tagen erschossen, weitere Erschießungen hat es bis April 1942 gegeben. Unter den Opfern waren auch Berta Adler und ihre Töchter Margot und Edith. Ihre Namen sind auf einer Gedenkwand am Ort der Erschießung in Libau verzeichnet. Rudolf Adler wird eine Woche vor dem Einmarsch der Deutschen in Lettland von den Russen zusammen mit anderen deutschen und österreichischen Juden in ein Gefängnis eingesperrt und dann in ein Internierungslager nach Novosibirsk und später in ein Lager nach Kasachstan gebracht. Dort schreibt er schwerkrank einen letzten Brief an seine Familie, die er in Sicherheit wähnt. Er stirbt am 22. November 1942. Kurt und Tamara Adler erfahren in den USA erst viele Jahre später von dem Schicksal ihrer Eltern und der Geschwister.

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