Familie Stern/Strauß

(c) Stolpersteine Einbeck

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Julius Stern, geboren 1886, betreibt seit 1912 eine Viehhandlung in der Hullerser Straße, dort wohnt er zunächst „ohne eigenen Hausstand“ zur Untermiete. Kurz nach der Hochzeit mit Flora Fanny Strauß 1912 zieht das Ehepaar zunächst zum Marktplatz 23, heute als Steinhaus bekannt. Ein Jahr später wird Sohn Heinz Rudolf geboren. 1922 wird den Sterns Tochter Renate geboren. 1916 lebt für mehrere Monate Minna, die Schwester von Fanny Stern, bei den Sterns in der Wohnung im Steinhaus. Wahrscheinlich lernt sie dort ihren späteren Mann Louis Fuchs kennen und lieben. Julius Stern erwirbt 1919 das Haus am Bürgermeisterwall 6, im gleichen Jahr ziehen Louis und Minna Fuchs am Tag ihrer Hochzeit dort mit ein. Louis Fuchs ist zu diesem Zeitpunkt Gesellschafter bei der Peitschenfabrik Stern & Krieger in der Altendorfer Chaussee, das Gebäude kennen viele in Einbeck noch als „Möbel-Otto“. Das Ehepaar Fuchs zieht 1932 aus dem Bürgermeisterwall in eine Wohnung auf dem Firmengebäude. Im Dezember 1933 ziehen dann die Schwiegereltern Hermann und Bertha Strauß mit in den Bürgermeisterwall 6.

Heinz Rudolf Stern wird bereits zu Beginn der 1930-er Jahre an der Universität als Jude diskriminiert und beschimpft. Er verlässt Einbeck deswegen schon 1931 und emigriert zusammen mit einem Onkel nach Sao Paulo/Brasilien. 1935 spitzt sich die Lage für die Familie Stern in Einbeck zu. Renate Stern wird in der Schule als Jüdin ausgegrenzt und gedemütigt, kein Mädchen spielt mehr mit ihr auf dem Schulhof. Julius Stern verzeichnet massive Einschnitte beim Viehhandel. Viele Käufer zahlen das erworbene Vieh nicht mehr, die SA stellt sich vor die Ställe von Julius Stern, um eventuelle Käufer abzuhalten. Die Familie beschließt, zu emigrieren. So verlassen Julius und Renate Stern sowie Hermann und Bertha Strauß im Dezember 1935 Einbeck in Richtung Brasilien. Mit ihnen wandert Hertha, die Tochter von Louis und Minna Fuchs, nach Sao Paulo aus. Mutter Flora Fanny bleibt noch zwei Monate länger in Einbeck als der Rest der Familie, um alles rund um den Verkauf des Hauses mit der Einrichtung zu organisieren, was nur mit großen Verlusten möglich ist. In Sao Paulo überlebt die Familie, indem sie eine Pension eröffnet. Die ersten Jahre im neuen Land sind hart und entbehrungsreich.

(c) Stolpersteine Einbeck

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