Danke: Die Stolperschwelle ist verlegt

Stolperschwelle.

Der Initiativkreis „Stolpersteine für Einbeck“ ist dankbar für die Verlegung einer Stolperschwelle in Erinnerung an die Zwangsarbeiter. Die Inschrift lautet:

IN ERINNERUNG AN MEHR ALS 1000 MÄNNER, FRAUEN, KINDER, ZIVILISTEN UND KRIEGSGEFANGENE

1940 – 1945  AUSGENUTZT ALS ZWANGSARBEITER

IN  INDUSTRIE, HANDEL, GASTRONOMIE, HAUSHALTEN, LANDWIRTSCHAFT, VERWALTUNG

ENTRECHTET – GEDEMÜTIGT – MISSHANDELT –  VIELE VON IHNEN ERMORDET

Gunter Demnig hat am 25. Juni 2018 die Stolperschwelle vor dem Eingang zum Neuen Rathaus in Einbeck verlegt.

Verlesen wurde eine Liste von Namen der Zwangsarbeiter, die in Einbeck starben, und eine Liste mit Unternehmen, die Zwangsarbeiter beschäftigten. Foto: Florian Schröder

Gunter Demnig verlegt die Stolperschwelle vor dem Eingang zum Neuen Rathaus. Foto: Florian Schröder

 

Verlegung am 25. Juni 2018. Foto: Florian Schröder

 

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An mehr als 1000 Zwangsarbeiter erinnern

Seit 1994 gibt eine Gedenktafel auf dem Einbecker Zentralfriedhof einen Hinweis auf die Zwangsarbeiter-Gräber. Foto: Initiativkreis Stolpersteine/Bertram

Der Initiativkreis „Stolpersteine für Einbeck“ lässt am Montag, 25. Juni, um 11 Uhr durch den Kölner Künstler Gunter Demnig vor dem Eingang des Neuen Rathauses in Einbeck eine Stolperschwelle verlegen. Diese Stolperschwelle soll an mehr als 1000 Männer, Frauen und Kinder erinnern, die in Einbeck zwischen 1940 und 1945 als Zivilisten oder Kriegsgefangene zur Zwangsarbeit ausgenutzt und als billige Arbeitskräfte ausgebeutet worden sind: In Industrie, Verwaltung, Handel, Handwerk, Gastronomie, privaten Haushalten und Landwirtschaft wurden diese Menschen entrechtet, gedemütigt und misshandelt, viele fanden den Tod. In den Jahren 2016 und 2017 sind in Einbeck bislang insgesamt 29 Stolpersteine vor den letzten selbst gewählten Wohnorten der Opfer des Nationalsozialismus in den Gehweg verlegt worden. Stolpersteine sollen alltägliche Mahnmale sein, an denen man nicht vorbei gehen kann. Wenn Hunderte Stolpersteine mit Namen verlegt werden könnten, weil die Zahl der Opfer so groß ist, verlegt Gunter Demnig  eine Stolperschwelle.

Auch in Einbeck und Umgebung mussten Zwangsarbeiter den Arbeitskräftemangel in der Kriegswirtschaft ab 1939 immer stärker ausgleichen. Ihre Arbeitskraft wurde in den unterschiedlichsten wirtschaftlichen Bereichen ausgebeutet, in der Industrie ebenso wie im Handwerk, in der Landwirtschaft oder in der Verwaltung. In insgesamt fast 80 Betrieben waren die mehr als 1000 Zwangsarbeiter eingesetzt, das war im damaligen Einbeck rund ein Zehntel der Gesamtbevölkerung. In den letzten Kriegsjahren stellten Zwangsarbeiter bei den meisten Unternehmen mehr als 50 Prozent der Gesamtbelegschaft, was deutlich die Abhängigkeit der Wirtschaft von den ausländischen Arbeitskräften zeigt.

Neben Zivilarbeitern haben die Betriebe über einen kürzeren oder längeren Zeitraum auch Kriegsgefangene eingesetzt. Während die Zahl der zivilen Zwangsarbeiter in Einbeck nach den in Archiven vorliegenden Meldeunterlagen mit über 1000 angegeben werden kann, ist die Quellenlage bei den Kriegsgefangenen schwieriger, eine Zahl konnten Historiker bislang nicht ermitteln. Bekannt ist, dass es in Einbeck vier Kriegsgefangenenlager und mehrere Kriegsgefangenen-Arbeitskommandos gab.

In Einbeck arbeiteten Männer, Frauen und Kinder im Alter von 7 bis 62 Jahren als zivile Zwangsarbeiter in den Industriebetrieben, im Handwerk, in der Landwirtschaft, in Hotels, in Gaststätten, im Handel, in diversen städtischen Einrichtungen und in privaten Haushalten. Sie hatten keinerlei Rechte, konnten sich den Arbeitsplatz nicht aussuchen, nicht kündigen und waren dem jeweiligen „Arbeitgeber“ auch in Unterkunft und Verpflegung vollkommen ausgeliefert.

Die Bedingungen, unter denen Zwangsarbeiter in Einbeck leben mussten, lassen sich heute nur noch schwer rekonstruieren. Nach Schilderungen der ehemaligen „Ostarbeiterin“ Tatjana Gritschenko gab es im so genannten Russenlager an der Hannoverschen Straße immer zu wenig Brot und Fleisch. Die Lebensbedingungen dort waren katastrophal, sowohl im hygienischen Bereich als auch bei der Ernährung. Die Frauen, Männer und Kinder verrichteten sehr harte Arbeit, wurden mangelernährt und bekamen nur unzureichende medizinische Versorgung. Zwischen 1942 und 1945 starben 31 Menschen dort, darunter 24 Kleinkinder, wie Unterlagen belegen. Das so genannte Russenlager war 1942 eingerichtet worden. Trägerin war die Stadt Einbeck, die das Gelände pachtete und sechs Baracken aufstellte, in denen bis zu 300 Zivilarbeiter leben mussten, 80 Prozent von ihnen waren Russen. Private Betriebe mussten für die Unterbringung und Verpflegung der Zwangsarbeiter Abgaben bezahlen, was der Stadt im Oktober 1942 fast 13.000 Reichsmark einbrachte.

Bei NS-Zwangsarbeitern denken viele ausschließlich an den Einsatz ausländischer Arbeitkräfte in der Industrie. Doch auch Handwerk, Handel und Gastrononomie oder Privathaushalte haben in Einbeck während des Zweiten Weltkrieges ausländische Arbeitskräfte eingesetzt und waren von ihrer Arbeitsleistung abhängig. Das haben die Historiker Günther Siedbürger und Marc Czichy recherchiert und ausführlich im Einbecker Jahrbuch 49 (2004) dargestellt. Beispielsweise arbeiteten nach 1941 mindestens vier Franzosen sowie ein Italiener und ein Holländer bei einer Bäckerei; acht dort vorher tätige deutsche Bäcker, ein Kraftfahrer und ein Lehrling waren zum Militär eingezogen. Und auch die Stadtverwaltung hat damals Zwangsarbeiter eingesetzt, laut Dokumenten waren sogar mehrere Männer und Frauen dem damaligen Bürgermeister direkt zugeordnet.

Rodion Doroschko stand 1997 zum ersten Mal am Grab seiner in Einbeck beerdigten Schwester Efrosinja, die hier Zwangsarbeit leisten musste. Archiv-Foto: Initiativkreis Stolpersteine/Bertram

Auf dem Einbecker Zentralfriedhof gibt es seit 1994 eine Gedenktafel, die auf Gräber von Zwangsarbeitern hinweist. 1997 besuchte Rodion Doroschko aus der Ukraine, damals 78 Jahre alt, erstmals das Grab seiner Schwester Efrosinja. Die junge Frau wurde 1942 zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt. Von ihren Aufsehern war die 18-Jährige so brutal geschlagen worden, dass sie trotz ärztlicher Hilfe am Weihnachtstag 1943 im Einbecker Krankenhaus gestorben ist und am Rande des Friedhofs verscharrt wurde. Der Grabstein mit dem Namen wurde erst nach dem Krieg aufgestellt. Ebenso wie der von Theodor Gritschenko und Alexander Taranow. Die beiden Männer wurden am 14. Juni 1944 um 16.20 Uhr im Zwangsarbeiterlager an der Hannoverschen Straße auf Anordnung der Staatspolizei hingerichtet. Ihr Schicksal ist dank der Bemühungen von Friedrich Wille sowie Irmela und Friedel Kirleis im Jahre 2000 gut dokumentiert. Tatjana Gritschenko erinnerte sich gegenüber Friedrich Wille an die Hinrichtung: „An einem Tage kam ein Lastwagen mit offener Ladefläche ins Lager gefahren. Wir mussten alle zusehen. Unter dem Dach waren Haken. Ich stand zwischen den vielen anderen mit unserer Tochter Ludmilla auf dem Arm. Was dann geschah, habe ich nicht gesehen, ich bin ohnmächtig umgefallen. Die anderen haben es mir erzählt. Theodor und Alexander mussten auf die Ladefläche klettern. Sie bekamen einen Strick um den Hals gelegt, dann ist der Lastwagen angefahren…“

Die Finanzierung der Stolpersteine/Stolperschwelle inklusive der Verlegung wird durch private Spenden ermöglicht und von einem Initiativkreis des Fördervereins Alte Synagoge organisiert. Spenden sind jederzeit möglich auf das Konto des Fördervereins bei der Sparkasse Einbeck (IBAN DE46 2625 1425 0002 0230 34) mit dem Stichwort „Stolpersteine“.

Verlegung einer Stolperschwelle am 25. Juni

Der Eingang zum Neuen Rathaus. Hier soll die Stolperschwelle am 25. Juni 2018 verlegt werden.

Zum dritten Mal werden in Einbeck Stolpersteine verlegt, mit denen an Opfer des Nationalsozialismus erinnert werden soll. In diesem Jahr wird es am 25. Juni allerdings eine so genannte Stolperschwelle sein, die der Initiativkreis in den Boden legen lässt. Denn es gibt Orte, an denen Hunderte Stolpersteine mit Namen verlegt werden könnten. Die Stolperschwelle in Einbeck soll in Erinnerung an mehr als 1000 Männer, Frauen und Kinder verlegt werden, die in Einbeck zwischen 1940 und 1945 als Zivilisten oder Kriegsgefangene zur Zwangsarbeit ausgenutzt und als billige Arbeitskräfte ausgebeutet worden sind: In Industrie, Verwaltung, Handel, Handwerk, Gastronomie, privaten Haushalten und Landwirtschaft wurden diese Menschen entrechtet, gedemütigt und misshandelt, viele fanden den Tod – durch Mangelernährung und unzureichende medizinische Versorgung. Bekannt sind auch zwei Hinrichtungen in Einbeck am 14. Juni 1944. Der Kölner Künstler Gunter Demnig wird die mit einer gravierten Messingtafel versehene 10 x 100 Zentimeter Meter lange Stolperschwelle in Einbeck vor dem Eingang zum Neuen Rathaus verlegen. Stolpersteine sollen alltägliche Mahnmale sein, an denen man nicht vorbei gehen kann; gleiches gilt für die Stolperschwelle. Der Ort vor dem Neuen Rathaus, das heute täglich viele Menschen besuchen, ist deshalb bewusst gewählt worden. Der Initiativkreis „Stolpersteine für Einbeck“ lädt alle Interessierten ein, am Montag, 25. Juni, um 11 Uhr dabei zu sein. Nach einem kurzen Musikstück von Günter Tepelmann, der Begrüßung durch IK-Sprecher Robert Stafflage und dem Grußwort des stellvertretenden Bürgermeisters Marcus Seidel beginnt Gunter Demnig mit der Verlegung. Mitglieder des Initiativkreises berichten währenddessen über das Schicksal der Zwangsarbeiter. Vom Ausheben des Stolperstein-Loches über das Einpassen bis zum Verfüllen – alles ist Teil des Projektes und wird von Gunter Demnig erledigt. Das gilt für die Stolperschwelle ebenso wie für die Stolpersteine, von denen seit den Jahren 2016 und 2017 in Einbeck bislang insgesamt 29 Steine vor den letzten selbst gewählten Wohnorten der Opfer des Nationalsozialismus im Gehweg liegen. In der nahen Mendelssohn-Musikschule am Ostertor endet am 25. Juni nach der Verlegung der Stolperschwelle der Vormittag bei Gelegenheit zu Gesprächen. Der Initiativkreis ist organisatorisch eine satzungsgemäße Arbeitsgruppe des Fördervereins Alte Synagoge in Einbeck. Er trägt die Gesamtverantwortung für die Realisierung vor Ort, ist Antragsteller gegenüber dem Künstler Gunter Demnig und der Stadt Einbeck. Die Finanzierung der Stolpersteine inklusive der Verlegung wird durch private Spenden ermöglicht. Diese sind jederzeit möglich auf das Konto des Fördervereins Alte Synagoge bei der Sparkasse Einbeck (IBAN DE46 2625 1425 0002 0230 34) mit dem Stichwort „Stolpersteine“.

(Aktualisiert: 07.06.2018)

Danke: Die nächsten Stolpersteine sind verlegt

Gunter Demnig am Altendorfer Tor in Einbeck.

Der Initiativkreis „Stolpersteine für Einbeck“ ist dankbar für die Verlegung weiterer Messingtafeln in den Gehwegen, die an jüdische Opfer des Nationalsozialismus erinnern, die einstmals unsere Nachbarn waren. Gunter Demnig hat am 25. Mai 2017 insgesamt 14 Stolpersteine vor sechs Häusern in Einbeck verlegt.

Besucher der Verlegung in der Marktstraße Einbeck.

Zeitplan der Verlegung am 25. Mai 2017

Zum zweiten Mal werden in Einbeck Stolpersteine verlegt. Der Kölner Künstler Gunter Demnig wird am Donnerstag, 25. Mai, ab 13 Uhr die mit einer gravierten Messingtafel versehenen Betonsteine an sechs Orten in Einbeck vor den letzten selbstgewählten Wohnorten in den Gehweg einlassen. An jedem Ort werden die jeweiligen Biografien verlesen. Der Initiativkreis „Stolpersteine für Einbeck“ des Fördervereins Alte Synagoge lädt ein, dabei zu sein – während der gesamten Zeit oder auch nur an einzelnen Orten. Alle Zeitangaben sind Planungen, sie können sich geringfügig verschieben. Wir bitten dafür um Verständnis.

13 Uhr vor dem Haus Marktstraße 5: Stolpersteine für Selma und Jakob Rosenberg.

13.30 Uhr vor dem Haus Rabbethgestraße 4: Stolperstein für Rosa Steinberg.

14 Uhr vor dem Haus Altendorfer Tor 7: Stolpersteine für Familie Fuchs.

14.25 Uhr vor dem (abgerissenen) Haus Altendorfer Straße 26: Stolperstein für Johanne Steinberg.

14.45 Uhr vor dem Haus Benser Straße 1: Stolperstein für Emilie Weimar.

15 Uhr vor dem Haus Marktstraße 11: Stolpersteine für Familie Kayser sowie für Artur und Walter Goldschmidt.

Im Alten Rathaus endet der Nachmittag ab 15.30 Uhr bei Gelegenheit zu Gesprächen.

Verlegung am 25. Mai 2017

(c) Stolpersteine Einbeck

Gunter Demnig bei der Verlegung 2016 in Einbeck (c) Stolpersteine Einbeck

Zum zweiten Mal werden in Einbeck Stolpersteine zur Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus verlegt. Außer für Menschen jüdischen Glaubens werden erstmals auch zwei Steine für Menschen mit Behinderungen gesetzt, die umgebracht worden sind. Sie alle waren Nachbarn, sie lebten mit den anderen Einbeckern Tür an Tür. Der Kölner Künstler Gunter Demnig wird die mit einer gravierten Messingtafel versehenen Betonsteine an sechs Orten in Einbeck vor den letzten selbstgewählten Wohnorten in den Gehweg verlegen. Der Initiativkreis „Stolpersteine für Einbeck“ lädt ein, am 25. Mai (Christi Himmelfahrt) ab 13 Uhr dabei zu sein – während der gesamten Zeit oder aber auch nur an einzelnen Orten.

Beginn ist am 25. Mai um 13 Uhr vor dem Haus Marktstraße 5. Hier werden zwei Stolpersteine für Selma und Jakob Rosenberg verlegt. Nach einem kurzen Musikstück beginnt Gunter Demnig mit der Verlegung. Vom Ausheben des kleinen Loches über das Einpassen bis zum Verfüllen – alles ist Teil des Projekts und wird von Gunter Demnig erledigt. In der Marktstraße soll es auch die Begrüßung und ein Grußwort der stellvertretenden Bürgermeisterin Antje Sölter geben. Anschließend wird gegen 13.30 Uhr vor Haus Nummer 4 in der Rabbethgestraße ein Stolperstein für Rosa Steinberg verlegt. Am Altendorfer Tor 7 werden gegen 14 Uhr vier Stolpersteine für Familie Fuchs verlegt. Gegen 14.25 Uhr wird vor der Altendorfer Straße 26 ein Stolperstein für Johanne Steinberg in den Gehweg eingelassen. In der Benser Straße 1 wird gegen 14.45 Uhr ein Stolperstein für Emilie Weimar verlegt. Gegen 15 Uhr werden schließlich vor dem Haus Marktstraße 11 für Familie Kayser drei Stolpersteine sowie für Artur und Walter Goldschmidt zwei weitere Stolpersteine verlegt. Alle Zeitangaben sind Planungen, sie können sich geringfügig verschieben. Im Alten Rathaus endet der Nachmittag gegen 15.30 Uhr bei Gelegenheit zu Gesprächen.